… gestern  Abend habe ich Gilles Servat gehört und dann kam mir prompt die Idee zu diesem Blogartikel …

Was hat nun Gilles Servat, ein bedeuteten bretonischen Liedermacher, ein chanteur rebelle, mit Hermelinen, Möwen oder gar Stechginster zu tun? Ganz einfach: es gibt ein Lied von ihm, in dem er genau dies besingt: „La blanche Hermine“

La blanche Hermine ist mittlerweile mehr als nur ein Lied: es wurde mit der Zeit zu der inoffiziellen Hymne der Bretagne, die Gerechtigkeit und Freiheit besingt.

Es birgt im aktuellen Kontext mit Sicherheit jede Menge Zündstoff, doch darauf will ich nicht näher eingehen, sondern ein paar historische Aspekte beleuchten.

La voilà la Blanche Hermine vive la mouette et l’ajonc..

 

Was hat es mit dem Hermelin auf sich?

Durch diese Sage wurde es zum Nationalsymbol der Bretagne

(das lebende Tier: das Hermelin – der Pelz: der Hermelin)

 

Das Hermelin (bretonisch: an erminig) ist das Wappentier der Herzöge der Bretagne. Es ist seine Furchtlosigkeit und Reinheit, die es zum Wappentier der Bretagne machte.

In der Legende ritt Konan Meriadeg, einer der ersten bretonischen Könige am schlammigen Ufer eines Baches entlang, wo er auf ein Hermelin traf. Diese blieb, anstatt zu fliehen einfach stehen, Auf des Königs Frage an einen seiner Offiziere, warum dieses Tier nicht vor ihm fliehe, antwortete jener: „König der Bretonen. Das Hermelin ist nicht verwundet. Es will aber ohne Flecken bleiben, und so fürchtet es, sein Fell im Schlamm zu beschmutzen.“

Verwundert stellte Konan Meriadeg fest: „Ehe du dein Fell beschmutzt, stirbst du lieber. Dies ist nun die Devise der Bretonen und du bist ihr Symbol.“

Von dieser Zeit an war es das Motto der Bretonen: Kentoc’h mervel eget bezañ saotret, übersetzt soviel wie: Plutôt la mort que la souillure.

So also kam das Hermelin auf die bretonische Flagge.

 

Gwenn ha du – die bretonischen Flagge :

 

Bretonische Flagge I Gwenn-ha-du

Bretonische Flagge (r.) – Gwenn-ha-du vor dem Château de Pont l’Abbé I Fotografie Gudrun Itt

 (Anmerkung: Ich habe einen ganzen Bilderordner mit anderen Aufnahmen der bretonischen Flagge, den ich in den Tiefen meiner Festplatten gerade nicht finde – die Aufnahmen werden also noch ergänzt)

Die bretonische Flagge – bretonisch Gwenn-ha-du genannt – bedeutet weiß und schwarz. Bezeichnenderweise findet sie auch im département Loire-Atlantique Verwendung, auch wenn dieses heute nicht mehr zur Bretagne gehört.

Im Jahr 1923 wurde sie von Morvan Marschall entworfen – in Anlegung an die amerikanische Flagge, sowie das Stadtwappen der heutigen Hauptstadt der Bretagne Rennes.

Die fünf schwarzen Streifen symbolisieren die französischsprachigen Bistümer Dol, Nantes, Rennes, Saint-Malo und Saint Brieuc, die vier weißen die bretonischssprachigen  Trégor, Léon, Cournaille und Vannes. – alle neun stellen demnach die neun historischen, traditionellen Kirchenprovinzen dar.

Die elf stilisierten Hermelinschwänze erinnern an das Wappen, bzw an den Orden der Hermeline in der Bretagne, der 1381 von Johann dem IV, Herzog der Bretagne gegründet wurde.

Die Verwendung des Hermelins im Wappen wird Anne de Bretagne – bretonisch: Anna Vreizh zugeordnet und verschwand mit ihrem Tod 1514.

Hier einige Aufnahmen  des Château des ducs de Bretagne – zeitweise Residenz von Anne de Bretagne

Schloss in Nantes, Château des ducs de Bretagne

Das Schloss in Nantes, Château des ducs de Bretagne – auch Residenz von Anne de Bretagne I Fotografie Gudrun Itt

Innenhof des Château des ducs de Bretagne I Fotografie Gudrun Itt

Innenhof des Château des ducs de Bretagne I Fotografie Gudrun Itt

Château des ducs de Bretagne I Fotografie Gudrun Itt

Innenhof des Château des ducs de Bretagne I Fotografie Gudrun Itt

Nun, die Hermeline haben ihre Rückkehr auf die bretonische Flagge gefunden und man sieht sie heute nicht nur vor öffentlichen Gebäuden, sondern auch an Geschäften, auf Aufklebern, auf Souvenirs für Touristen – sie ist zum Bestandteil der bretonischen Identität geworden.

gilles servat la blanche hermine und die bretonische Flagge

Bretonische Fahne vor einem Geschäft in der Ville Close in Concarneau I Fotografie Gudrun Itt

 Bretonische Flagge vor dem Hôtel de ville / Rathaus in Quimper I Fotografie Gudrun Itt

Bretonische Flagge vor dem Hôtel de ville / Rathaus in Quimper I Fotografie Gudrun Itt

 

Die bretonische Flagge ist übrigens nicht die einzige schwarz-weiße Flagge. Man findet sie unter anderem auch in Cornwall. Ich habe geschrieben, dass die Cournaille – bretonisch: Kerne oder Bro Gerne – eine der historischen Gebiete der Bretagne ist und somit auf der bretonischen Flagge mit einem weißen Streifen vertreten ist. Sie liegt im Finistère und war bis zum Mittelalter Königreich, später ein Herzogtum. Zwischen der Cournaille und Cornwall gibt es enge kulturelle Verbindungen, auf die ich in einem anderen Artikel näher eingehen werde, weil das hier den Rahmen sprengen würde.

Doch nun kurz zurück zu La blanche Hermine von Gilles Servat:

Der Text nimmt unter anderem Bezug auf die willkürlicher Aufteilung von fünf Departements  und die Abtrennung von Nantes als historische Hauptstadt und Regierungssitz – darum auch die Bezugnahme de Fougères à Clisson im Refrain. Allerdings handelt es sich hier nicht um einen  Nationalismus im herkömmlichen Sinn, sondern vielmehr um die Behauptung der bretonischen Identität – und dort trifft man wieder auf den Hermelin.

 

 Jetzt ist mir noch etwas eingefallen und das ist eine noch viel weitere Reise zurück in die Vergangenheit: l’ajonc – der Stechginster

 

Er findet sich vornehmlich  in jenen Gegenden, die den Kelten zugeschrieben sind: Von Schottland bis hin zur Bretagne teilweise auch in Spanien, d.h. der Stechginster gehört genauso zur Bretagne, wie auch der Hermelin.

Stechginster in der Bretagne I Fotografie Gudrun Itt

Blühender Stechginster in der Bretagne I Fotografie Gudrun Itt

Stechginster am Meer in der Bretagne

Stechginster im Frühling an Pointe du Raz I Fotografie Gudrun Itt

Küste an Pointe du Raz - Bretagne

Küste an Pointe du Raz im Frühling I Fotografie Gudrun Itt

L’ajonc, der Stechginster blüht das ganze Jahr im Frühling jedoch am kräftigsten und dann ist die Küste über und über gelb – ein wunderbarer Kontrast zur Farbe und Weite des Meeres und ein wunderbarer Duft…

Doch der Stechginster ist nicht einfach nur ein Strauch – er hat eine tiefere Bedeutung – er ist der dreizehnte (!) Baum des keltischen Ogham-Alphabets und ihm wird der Ruf eines Allheilmittels zugesprochen. So war nicht zuletzt für die Kelten ein Symbol für Optimismus und Zuversicht in der Farbe der Sonne. Er ist Zeichen für Hoffnung und Glauben, ebenso wie für Beharren in aussichtslosen Zeiten. Er soll eine über Körper und Geist hinausgehende stärkende Wirkung haben – immer in Hinsicht darauf, dass die Mühe und die Beharrlichkeit letztendlich belohnt wird.

Insofern spielt auch er, finde ich, eine tragende Rolle in diesem Chanson, ebenso wie die Möwe als Krafttier in der keltischen Mythologie.

Möwe am Atlantik in der Bretagne

Möwe I Fotografie: Gudrun Itt

 

La voilà la Blanche Hermine vive la mouette et l’ajonc..

… für mich ein Lied, in dem unwahrscheinlich viel Vergangenheit, Tradition und auch Gegenwart steckt! Ein Lied, das mich immer wieder beeindruckt…

(ganz ehrlich, mir würde noch eine ganze Menge dazu einfallen, aber zu lange Blogartikel mag bestimmt keiner lesen…)

 

Hier der Text, für alle die Nachlesen mögen

J’ai rencontré ce matin devant la haie de mon champ
Une troupe de marins, d’ouvriers, de paysans
Où allez-vous camarades avec vos fusils chargés
Nous tendrons des embuscades viens rejoindre notre armée

La voilà la Blanche Hermine vive la mouette et l’ajonc
La voilà la Blanche Hermine vive Fougères et Clisson

Où allez-vous camarades avec vos fusils chargés
Nous tendrons des embuscades viens rejoindre notre armée
Ma mie dit que c’est folie d’aller faire la guerre aux Francs
Mais je dis que c’est folie d’être enchaîné plus longtemps

La voilà la Blanche Hermine vive la mouette et l’ajonc
La voilà la Blanche Hermine vive Fougères et Clisson

Ma mie dit que c’est folie d’aller faire la guerre aux Francs
Mais je dis que c’est folie d’être enchaîné plus longtemps
Elle aura bien de la peine pour élever les enfants
Elle aura bien de la peine car je m’en vais pour longtemps

La voilà la Blanche Hermine vive la mouette et l’ajonc
La voilà la Blanche Hermine vive Fougères et Clisson

Elle aura bien de la peine pour élever les enfants
Elle aura bien de la peine car je m’en vais pour longtemps
Je viendrai à la nuit noire tant que la guerre durera
Comme les femmes en noir triste et seule elle m’attendra

La voilà la Blanche Hermine vive la mouette et l’ajonc
La voilà la Blanche Hermine vive Fougères et Clisson

Je viendrai à la nuit noire tant que la guerre durera
Comme les femmes en noir triste et seule elle m’attendra
Et sans doute pense-t-elle que je suis en déraison
De la voir mon coeur se serre là-bas devant la maison

La voilà la Blanche Hermine vive la mouette et l’ajonc
La voilà la Blanche Hermine vive Fougères et Clisson

Et sans doute pense-t-elle que je suis en déraison
De la voir mon coeur se serre là-bas devant la maison
Et si je meurs à la guerre pourra-t-elle me pardonner
D’avoir préféré ma terre à l’amour qu’elle me donnait

La voilà la Blanche Hermine vive la mouette et l’ajonc
La voilà la Blanche Hermine vive Fougères et Clisson

Et si je meurs à la guerre pourra-t-elle me pardonner
D’avoir préféré ma terre à l’amour qu’elle me donnait
J’ai rencontré ce matin devant la haie de mon champ
Une troupe de marins, d’ouvriers, de paysans

La voilà la Blanche Hermine vive la mouette et l’ajonc
La voilà la Blanche Hermine vive Fougères et Clisson…

Eine wunderschöne Version von Gilles Servat findet ihr auf YouTube.

kenavo

Eure Gudrun

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