Château du Taureau und Île Louët

 

oh je, ihr wundert euch jetzt bestimmt und denkt, ich war dieses Mal gar nicht in meinem geliebten Bigoudenland, aber das stimmt nicht, ich bin nur ein wenig herumgefahren und habe neue faszinierende Orte gesucht…

Also werde ich es wagen und euch heute etwas über einen Ort erzählen, der von Saint Guénolé aus gesehen, auf der Landkarte ganz oben ist im Finistère, denn ich habe ja einen Bretagne Blog und nicht nur einen Saint Gué Blog, also muss auch mal etwas vollkommen Neues her.

Und die Lage von Saint Gué ist ja auch wirklich so, dass man von dort aus jede Menge Ausflüge unternehmen kann, die einen auch an weiter entfernte Orte und neue ganz andere Perspektiven bringen kann.

Ich war noch niemals in Morlaix, Roscoff, etc. Mein Töchterchen und ich haben uns also einen Tag frei genommen und haben uns auf den Weg gemacht.

Das Ganze übrigens mit Leihwagen, ohne Navi und ohne Landkarten und mit gaaanz wenig PS – aber ja, ich habe trotzdem alle meine geplanten Ziele gefunden – auch wenn man mir nachsagt, ich sei manchmal ziemlich orientierungslos.

Naja, wir gingen die ganze Sache etwas blauäugig an und suchten uns vier Orte aus, die wir besuchen wollten. Das war definitiv zu viel und ich werde die ganze Tour noch einmal machen – in mehreren Etappen.

Zunächst ging es über das bretonische Hinterland über Quimper Richtung Roscoff und alleine das ist schon mindestens eine Tagestor wert.

Ich musste ziemlich aufpassen, dass ich nicht irgendwann im Graben lande, denn ich habe mehr Ah und Oh rufend aus dem Fenster geschaut, als auf die Fahrbahn zu achten. Noch dazu waren wir sehr früh unterwegs und so zeigte sich uns die gesamte, viel beschworene Mystik der Monts d’Arrée – welch eine großartige landschaftliche Überraschung!

Eine Landschaft im Herzen des Parc Naturel Régional d’Armorique geprägt von geheimnisvollem Hochmoor und wilder Heide, unterbrochen von zerklüfteten Felsen – unberührt und beindruckend…

 

Monts d'Armée Landschaftsfotografie Gudrun Itt

Monts d’Armée

 

 

Nun, wir hatten andere Ziele festgelegt, also heißt es Wiederkommen…

Unsere erste Station war dann Roscoff, die zweite Saint-Pol-de-Léon – die vierte und letzte Morlaix. Doch darüber ein anderes Mal…

Station Nummer 3 war l’île Louët und Château du Taureau, beide liegen in der einzigartigen Baie de Morlaix – und darum geht es jetzt:

 

Jouez les Robinsons sur l’île Louët…

… damit wirbt die Stadt Morlaix auf ihrer Webseite

 

Der Weg hinunter zu île Louët  ist einfach zauberhaft. Man hat das Gefühl, als käme man plötzlich in eine ganz andere Welt…

 

île Louët baie de Morlaix Fotografie Gudrun Itt

île Louët

 

Île Louët ist eine kleine Felseninsel in der Bucht von Morlaix, vor der Küste von Carantec  in der Nähe des berühmten Schlosses des Taurus. Sie wurde im Jahr 1857 von dem Ingenieur Fenoux gebaut, um den in den Hafen von Morlaix einfahrenden Schiffen eine dauerhafte Beleuchtung zu gewährleisten. Bis zur Automatisierung des Leuchtturms in den 60er Jahren wurde die Insel von Leuchturmwärtern und ihren Familien bewohnt.

2004 beschloss die Stadt Carantec, die Felseninsel für alle zugänglich zu machen, dabei jedoch ihren einzigartigen Charakter zu erhalten und ihre Ressourcen zu schützen. Seit 2013 gibt es fließendes Wasser und Strom – geliefert durch eine Photovoltaik-Anlage..

Übrigens: Nach der Renovierung der alten Wärterhaus von der Gemeinde von Carantec, ist es nun möglich, für eine Nacht oder zwei jedes Jahr von April bis Oktober dort zu wohnen. Das Haus kann bis zu zehn Personen beherbergen, der Komfort ist einfach, zum Duschen gibt es nur kaltes Wasser und Strom sollte sehr sparsam verwendet werden – aber, was braucht man schon, wenn man für zwei Tage Robinson Crusoe spielen kann…

Mehr dazu findet ihr auch hier:

http://www.tourisme-morlaix.fr

 

Baie de Morlaix - Fotografie Gudrun Itt

Baie de Morlaix

 

 

Wissenswertes

Die Baie de Morlaix ist als Vogelschutzgebiet in Europa einzigartig.

Die Inseln beherbergen mehr als tausend Paare verschiedener Arten von Seeschwalben.

Also unbedingt ein Fernglas mitnehmen oder die Kamera mit einem guten Tele!

Un fort pour protéger Morlaix

Direkt neben der kleinen Felseninsel liegt das berühmte Château de Taureau (taureau = der Stier) mit seiner jahrhundertealten Geschichte.

 

Château du Taureau Morlaix Finistere Fotos aus der Bretagne

Château du Taureau

 

Morlaix war im 16. Jhd. eine blühende Hafenstadt, sein Hafen war der drittgrösste nach Nantes und Saint Malo.

Durch seine strategisch günstige Lage entwickelte sich Morlaix zu einem Seehandelszentrum zwischen England, Holland und Spanien. Morlaix wird im Laufe der Jahrzehnte immer wieder überfallen und geplündert – der Höhepunkt ist jedoch im Jahre 1522, in dem englische Seeleute die Stadt plündern und niederbrennen. Bis sich die Stadt von diesem Angriff erholen, wird es mehr 10 Jahre brauchen.

Aufgrund der immer wiederkehrenden Angriffe entschliesst man sich auf der îlot rocheux du Taureau eine Befestigungsanlage zu errichten. Eine wahre Herausforderung zu dieser Zeit, aber strategisch sehr günstig, da das einzig mögliche Durchkommen für größere Schiffe im Westen der Felseninsel liegt.

Der Bau des ersten Forts beginnt 1542, wobei leider über sein Aussehen nur wenig bekannt ist. Die Finanzierung des Baus musste von den Einwohnern Morlaixs getragen werden.

Mit der Machtübernahme von Louis XIV verändert sich die Lage in der Bretagne und damit auch in Morlaix deutlich. Durch die Spannungen zwischen Frankreich und England verliert Morlaix seine wichtigsten Handelspartner – sein Wachstum stagniert.

Zugleich jedoch nimmt es weiterhin seinen strategisch, sprich geografisch günstigen Platz ein.

So ist es dann auch niemand anderes als Vauban, der von Louis XIV beauftragt wird, die Verteidigung der bretonischen Küste zu verbessern

Dies betrifft auch das Château de Taureau das nahezu vollkommen neu aufgebaut wird. Die nach dem Entwurf Vaubans von 1689 beginnenden Arbeiten werden letztendlich 45 Jahre dauern.

Zwischen 1700 und 1720 verliert Morlaix deutlich an seiner wirtschaftlichen Stellung und somit auch an strategischer Bedeutung, so dass das Château noch vor seiner Fertigstellung als Verteidigungsanlage teilweise zweckentfremdet wird.

Ab 1721 wird ein Teil als Gefängnis genutzt (mit 10 Zellen) – sehr praktisch, da eine Flucht unmöglich ist und alle Versuche mit dem Ertrinken enden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist das Schloss noch immer nicht fertiggestellt.

1871 verlässt der letzte Gefangene das Fort, zu dieser Zeit waren dort weitgehend politische Gefangene inhaftiert. (Das war übrigens Louis Auguste Blanqui – ein französischer Revolutionär, der später begnadigt wurde. Auf Château du Taureau schrieb er sein Werk „L’Eternité par les astres“)

1890 wird es von den letzten Bewohnern verlassen. Seine letzte Funktion bleibt sich selbst gegen Wind und Wellen zu verteidigen.

Zwar wird die Festung 1914 zum historischen Denkmal ernannt, steht aber weiterhin noch nahezu zwei Jahrzehnte leer.

1930 bis 1937 wird das Fort von Melanie Leveque de Vilmorin als Sommerresidenz genutzt, im zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht besetzt und als Verteidigungstützpunkt benutzt.

Von 1960-1982 dient es einer Segelschule als Unterkunft, bis es aufgrund der zu hohen Unterhaltungskosten verlassen wird.

In dieser Zeit verschlechtert sich sein Zustand dramatisch.

Um das Schloss vor dem Verfall zu retten wird 1980 ein erster Förderverein gegründet, dem ein weiterer folgt.

Um die Situation der Öffentlichkeit bekannt zu machen, komponieren Serge und Martine Rives einen chanson – „Le Château du Taureau„.

Hier könnt ihr euch den Videoclip dazu ansehen – oder ihr hört einfach bloß zu und lest weiter…

 

 

Château du Taureau

Songtext

Lorsque j’étais enfant,

De plaintes et de douleurs

Mon grand-père nous menait

Du monstre mugissant.

Aux portes d’océan,

A l’ombre de ses murs,

Dans la baie de Morlaix.

A l’âge d’espérance,

Il affalait les voiles

J’ai rêvé de nature

Au pied du vieux château,

D’amour et de souffrance.

Et là, sous les étoiles,

J’entendais sur la cale Saluait le Taureau.

Monter de ses cachots,

Et nous passions des heures

L’ordre d’un caporal,

A écouter le chant

Les cris des matelots.

REFRAIN

Mais c’est comme une corrida

Qui ne doit pas finir comme ça

Car le Taureau n’est pas sauvage,

Il est gardien de nos rivages.

Mais c’est comme une trahison,

Le temps lui donnera raison.

Il a bien trop longtemps lutter

Contre la guerre et les marées.

Et quand je vois les picadors

Planter leurs pieux dans son vieux corps,

Le monstre ne se défend plus

Comme si sa cause était perdue.

Il faut des hommes qui se lèvent Pour arrêter la main du glaive,

Avant que le toréador

Ne vienne lui donner la mort.

Je veux courir encore

Réchauffer ses entrailles

En pays de Morlaix, Ouvertes par les vents.

A l’ombre de ce fort

Et vous, Messieurs, les grands, Bouclier des Anglais

N’oubliez surtout pas

Et partager ma vie

Que des siècles durant

Entre l’eau et le ciel,

Son corps s’est dressé là

Aux portes d’un pays

Devant l’envahisseur,

Gardé de citadelles,

Et pour que vos ancêtres

Relever les murailles

Puissent avoir le bonheur

Effritées par le temps,

De vous voir enfin naître.

REFRAIN

Je veux courir encore

Qui se mêlent à l’histoire

En pays de Morlaix,

Des rêveries d’enfance.

A l’ombre de ce fort

Et vous, Messieurs, les grands, Bouclier des Anglais

N’oubliez surtout pas

Remonter tous les âges

Que demain nos enfants

Bordant la grande baie

Ne vous pardonneront pas

En foulant les rivages

D’avoir laissé mourir

De ces chemins de paix,

Ce géant qui se traîne

Poser dans ma mémoire

Dans un dernier soupir

Ces quelques souvenances

Au milieu de l’arène.

 

Die Schlossrestaurierung beginnt dann 26. Mai 2000 und dauert 6 Jahre.

Das Château wird nach den alten Plänen Vaubans erneuert. Heute beherbergt es ein Museum und ist Besuchern zugänglich.

 

Château du Taureau im Finistere - Fotografie Gudrun Itt

Château du Taureau

 

Oh je, das waren jetzt doch einige Infos – und es gäbe noch jede Menge mehr zu erzählen…

Was mich am meisten fasziniert hat, war diese Einsamkeit an dem kleinen Strand, von dem aus man dann diesen Kontrast hatte – ein kleines friedliches Leuchtturmwärterhäuschen auf einer einsamen Insel und direkt daneben ein Château – mit einer unwahrscheinlich vielfältigen Geschichte… – einfach toll.

Nun, ich habe mich entschlossen, dass ich dort unbedingt noch einmal hinmuss – ich habe ja auch bisher nur eine Perspektive gesehen – ich denke, da ist noch jede Menge Potential.

Die Settermädels haben den Ausflug an den kleinen Sandstrand übrigens auch genossen.

 

English Setter in der Baie de Morlaix

Darleen in der Baie de Morlaix

 

Und dann ging es über die Felsentreppe wieder nach oben – und weiter nach Morlaix…

 

Baie de Morlaix

Baie de Morlaix

 

Wissenswertes

Man kann das Chateau de Taureau besuchen. Die Abfahrtszeit richtet sich nach dem Gezeitenkalender.

Der Besuch beinhaltet neben der Überfahrt auch eine ca. einstündige Führung.

Abfahrt von Carantec/ plage du Kelenn

Öffnungszeiten April – September

 

île Louët und  baie de Morlaix Fotografie Gudrun Itt

île Louët und baie de Morlaix Fotografie Gudrun Itt

 

Ach je, so viel wollte ich heute gar nicht schreiben – aber es ist immer ganz schlimm: Wenn ich einmal angefangen habe, kann ich gar nicht mehr aufhören.

Mal sehen, worüber ich als nächstes berichte – vielleicht über Roscoff, der Stadt mit den vielen Zwiebeln (und ich habe keine einzige gesehen) oder vielleicht über Neuigkeiten aus Saint Guénolé, denn von dort bin ich vorgestern erst wieder zurück in die Pfalz gekommen…

Ich hoffe euch hat mein kleiner Bericht über die Baie de Morlaix gefallen und sende euch herzliche Grüße.

À bientôt

Eure Gudrun

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