Les Rôchers de St. Guénolé…

… mein Platz am Anfang der Welt.

Rôchers de Saint Guénolé - Bretagne - Landschaftsfotografie - Gudrun Itt

Rôchers de Saint Guénolé in der Bretagne – Landschaftsfotografie von Gudrun Itt

Welche landschaftliche Überraschung diese Rôchers de Saint Guénolé! Man muss einfach von diesem kleinen Stück wilder Küste am Ende der Welt verzaubert sein.

Ja, ich weiß, Saint Guénolé liegt im Finistère, sprich am Ende der Welt – wie es zumindestens die Römer dachten – aber ich sehe das eher bretonisch und im bretonischen lautet der Name Penn ar Bed (Anfang oder auch Haupt der Welt). Gegensätzlicher könnten die Sichtweisen nun wirklich nicht sein.

Sei´s drum, heute muss ich einfach einmal über meinen Lieblingsort in der Bretagne schreiben – bzw. über meinen Lieblingsplatz in meinem Lieblingsort: Les Rôchers de Saint Guénolé, also jene Felsen und Riffe, die die Küste vor Saint Guénolé prägen.

Fotos aus der Bretagne - Bretagneblog - Gudrun Itt

Die Küste von Saint Guénolé im Finstere – Gudrun Itt ©

Und von diesen Felsen gibt es so viele, dass eigentlich ein einziger Artikel nicht ausreicht. Alleine schon die Tatsache, dass viele von ihnen ihren eigenen Namen haben, ja so ist es tatsächlich, und dann noch jeder einzelne seine eigene Geschichte oder Legende sprengt einen Blogartikel.
Also wie beginnen?

Ich versetze mich zurück in das Jahr, als ich zum ersten Mal dort war, als ich zum ersten Mal angekommen bin nach 1200 km Fahrt in Richtung Penn ar Bed.

Bei der Ankunft war es trüb – kein bretonischer Schäfchenwolkenhimmel, den ich so liebe, sondern grau und verhangen. Eigentlich kein guter Start, um sein Herz an einen bestimmten Ort zu verlieren, aber dennoch –  vor mir lag die Küste, schroff und felsig, rau und gefährlich, die Wellen kamen und gingen, suchten ihren Weg an den Felsen vorbei, die Luft roch nach Salz und Meer – es waren nur einige, wenige Schritte, aber sie reichten, um wirklich anzukommen, an diesem Ort anzukommen – es war als wäre ich schon immer hier gewesen.

Felsen an der Atlantikküste bei Sturm im Finstere - Gudrun Itt ©

Felsen an der Atlantikküste im Finstere – Gudrun Itt ©

Ich weiß bis heute nicht genau, was es genau gewesen war, die Faszination des Meeres, die Standhaftigkeit und Ruhe der Felsen, was mich so in Bann gezogen hat, ich weiß nur, dass ich immer wieder hierher zurückkehre und die Faszination, die die Rôchers de Saint Guénolé auf mich ausüben, sich für mich bis heute nicht gelegt hat.

Rôchers de Saint Guénolé im Finstere Fotos aus der Bretagne - Gudrun Itt ©

Rôchers de Saint Guénolé im Finstere – Gudrun Itt ©

Die Felsen von St. Guénolé sind berühmt für ihre Form, die unergründlichen Tiefen, die sie umschließen, die Farben in den Schluchten, die von hellem, klaren Blau bis zu durchdringenden, fast schon karibisch anmutendem Türkis reichen, die Wellen, die an ihnen Tag für Tag brechen, sie sind bekannt aufgrund der Gefahr, die von ihnen ausgeht, sie lehren die Fischer das Fürchten und sind Anziehungspunkt vieler Touristen insbesondere an stürmischen Tagen mit hohen Wellen.

Saint Guénolé im Finstere  im Bretagneblog - Fotos aus der Bretagne - Gudrun Itt ©

Die Küste von Saint Guénolé im Finstère – Fotos aus der Bretagne – Gudrun Itt ©

Der Begriff Rôchers de Saint- Guénolé bezieht sich auf den nördlichen Bereich des Hafens von St. Guénolé und umfasst alle Felsen​​, die zwischen dem Strand Joie und Pors Carn liegen.
Oft liest man auch von Rochers de la côte sauvage oder den Rochers fantastiques. So weit die Lagebeschreibung…

Hafen von Saint Guénolé im Finstere - Fotos aus der Bretagne - Gudrun Itt ©

Hafen von Saint Guénolé im Finstere von den Felsen aus gesehen – Gudrun Itt ©

Mit dem Bau einer Eisenbahnlinie hat sich die Bedeutung der Felsen grundlegend verändert – waren sie vorher Gegenstand der Gefahr und auch des Aberglaubens bei den Fischern und Bewohnern, so kamen zu Beginn des 19. Jhd die ersten Touristenströme an die Spitze des Bigoudenlandes – ihre Ziele waren neben Penmarc’h mit seinem gewaltigen Leuchtturm, dem Phare d’ Eckkühl eben jene Felsen von Saint- Guénolé. Der touristische Höhepunkt – so ironisch das nun klingen mag, war der Tod der Familie des ehemaligen Präfekten des Finistère im Jahre 1870. Er verlieh den Felsen letztendlich eine traurige Berühmtheit.

Felsen in Saint Guénolé im Finstere - Fotos aus der Bretagne - Gudrun Itt ©

Blick von den Felsen auf den Atlantik in Saint Guénolé im Finstere – Gudrun Itt ©

Zahlreiche Schriftsteller haben die Anziehungskraft der Felsen in Worte gefasst, die riesigen Blöcke geschildert, die von der Flut über die Jahre hinweg zerkleinert, von den Wellen geformt wurden, das Meer, das mit der Flut durch die engen Gänge steigt und sich bei Ebbe mit einem dumpfen Brüllen zurückzieht, Tag für Tag – bis in alle Ewigkeit….

Heraufziehender Sturm in der Bretagne - Gudrun Itt ©

Heraufziehender Sturm in der Bretagne – Gudrun Itt ©

Die einst größtenteils „namenlosen“ Felsen wurden also zur Touristenattraktion und so wurden viele der Felsen „getauft“ , wobei tatsächlich anzunehmen ist, dass ein großer Teil der Namen von den ersten Touristen stammt.

Die bekanntesten unter ihnen sind wohl Les Oreilles de Lapin, le Moine, la Tortue, la Tête de cheval (ou Tête de veau), le Crapaud, le Rhinocéros,…

"Les Oreilles de Lapin" am Atlantik in der Bretagne - Gudrun Itt ©

„Les Oreilles de Lapin“ an den Felsen von Penmarch in der Bretagne – Gudrun Itt ©

Doch so attraktiv die Felsen auch für die Touristen sein mögen, so sehr sie einen in ihren Bann zu ziehen vermögen, so darf doch nicht vergessen werden, wie gefährlich sie letztendlich sind.

Welle folgt auf Welle, ohne jemals zur Ruhe zu kommen. Und wenn man oben auf dem Felsen des Präfekten (er wird demnächst seinen eigenen Blogartikel bekommen) steht, den bitteren Geschmack des Salzes auf der Zunge hat, den feinen Staub des Meeres – inmitten des ohrenbetäubenden Klangs der Wellenschläge des nie zur Ruhe kommenden Meeres,der Abgrund vor einem, den Blick auf das Kreuz gerichtet, dass zum Verdenken an die verunglückte Familie angebracht wurde, und dann über das Kreuz hinaus auf den weit entfernten Horizont, dann weiß man das hier nicht das Ende ist, nicht das Ende der Welt, sondern wirklich Penn ar Bed.

Man bleibt gebannt stehen, getrennt durch das vor langer Zeit aus Sicherheitsgründen angebrachte Geländer, das kein wirklicher Schutz ist, denn bei hohem Wellengang und mit steigender Flut leckt das Wasser am Eisen des Geländers, bedeckt es mit Schaum, doch man mag sich eigentlich nicht wegrühren – die Zeit rinnt dahin, so wie die Wassertropfen von den Felsen, ohne dass man es wahrnimmt. Wieviele Tragödien haben sich hier schon abgespielt?

Panoramablick von den Felsen von Saint Guénolé in der Bretagne - Gudrun Itt ©

Panoramablick von den Felsen von Saint Guénolé in der Bretagne – Gudrun Itt ©

Aber es gibt auch die ruhigen Tage, die Tage, an denen man fast vergißt, welche Kraft dieses Meer hat, Tage an denen die Felsen zur Ruhe kommen und die Luft unendlich klar ist – Tage mit bretonischen Schäfchenwolkenhimmel, an denen auch Mensch und Tier zur Ruhe kommen…

Möwe auf den Felsen von Saint Guénolé in der Bretagne - Gudrun Itt ©

Möwe auf den Felsen von Saint Guénolé in der Bretagne – Gudrun Itt ©

Felsen von Saint Guénolé in der Bretagne - Landschaftsfotografie: Gudrun Itt ©

Felsen von Saint Guénolé kurz nach dem Sturm – Landschaftsfotografie: Gudrun Itt ©

Ich habe das Meer fotografiert – blau und ruhig wie ein Laken – aber auch stürmisch und fordernd.
Es ist ein immer wieder neues Bild …..

Felsenküste von Saint Guénolé in der Bretagne in der Abendsonne - Landschaftsfotografie: Gudrun Itt ©

Felsenküste von Saint Guénolé in der Bretagne in der Abendsonne – Landschaftsfotografie: Gudrun Itt ©

… und jedes Zurückkommen ist immer wieder eine neues Ankommen – und ein Heimkommen!

Kenavo ar wech all – Gudrun

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