Penmarc’h – der Pferdekopf am Ende der Welt

 

… nein, hier geht es nicht um Pferdeköpfe und ihr werdet auch keine solchen als Fotos zu Gesicht bekommen – vielmehr habe ich einen weiteren Ausflugstipp für euch!

 

Penmarc'h Finstere Bretagne

Penmarc’h – Fotografie: Gudrun Itt

 

Penmarc’h, die südwestlichste Stadt im Pays Bigouden, dem Bigoudenland, bedeutet auf bretonisch Pferdekopf.  Die Gemeinde war im fünfzehnten Jahrhundert eine der wohlhabendsten Städte der Bretagne und wird noch heute vom Fischfang geprägt.

Ich weiß nicht warum, Penmarc’h mir heute morgen in den Sinn gekommen ist – eigentlich wollte ich weiter über die Maler in der Cornouaille schreiben  und da wäre geographisch gesehen Penmarc’h die vorletzte Station, aber sei’s drum, die müssen noch ein wenig warten – jetzt erstmal Penmarc’h.

 

Man kann Penmarc’h in vier Dörfer unterteilen:

 

Penmarc’h-Stadt, ehemals Tréoultré – das eigentliche Zentrum; Saint-Guénolé mit einem der wichtigsten Häfen in der Bretagne, das bezaubernde Kérity und Saint-Pierre, wo der bekannte Phase d’Eckmühl steht.

 

Zur Erklärung des Namens ungewöhnlichen Namen Penmarc’h gibt es eine alte Legende, die Legende von König March,  Ehemann von Isolde – und damit ist es auch ein bißchen die Legende von Tristan und Isolde.

Und nachdem ich in einem meiner letzten Blogartikel über Douarnenez geschrieben hatte, kehren wir auch zunächst dorthin wieder zurück.

Über Roi Marc’h ranken sich viele Legenden, diese hier ist jene, die man in Penmarc’h zu hören bekommt.

 

Penmarc'h Finstere Bretagne Kirche

Detail vom Tour Carrée / Saint Guénolé – Fotografie: Gudrun Itt

 

Die Legende

Marc’h war König von Poulmarc’h und der Cornouaille. Er war ein Tyrann mit einem Pferd namens cheval de mer – Morvac’h, dem Seepferdchen, von dem es hieß, es sei schnell wie der Wind und könne selbst über das Meer laufen. Eines Tages verfolgte der König ein Reh in die Baie Douarnenez, trieb es dort schließlich in die Enge und wollte es mit seinem Pfeil erlegen. Der Pfeil jedoch wendete sich der Legende nach und töte das Pferd des Königs. Auf der Suche nach dem Reh trifft Marc’h auf eine junge Frau, denn das Reh war Ahés, auch Daut genannt, die Prinzessin der Stadt Ys.

Um den König für seine Verfolgungsjagd zu bestrafen, berührt sie seinen Kopf und verschwindet im Meer.

Von diesem Tag an trug er die Ohren und die Mähne seines toten Pferdes. Niemand konnte ihm helfen, so dass er bei der Hochzeit seiner Tochter einen Hut tragen musste, um vor der Öffentlichkeit sein Aussehen zu verbergen.

Ein Windstoß jedoch riss ihm der Hut herunter. Um der Schmach zu entgehen, rannte er Hals über Kopf davon, stolperte, schlug mit dem Kopf gegen einen Felsen und starb.

Die Menschen aber, die ihm gefolgt waren, sahen den Kopf eines Mannes mit Ohren und Mähne eines Pferdes und beschlossen den Namen Poulmarc’h in  Penmarc’h – tête de cheval zu ändern.

 

Ach, ich liebe solche Legenden einfach. Gerade in der heutigen Zeit, in der so vieles in Vergessenheit gerät und das Meiste nur noch rational erklärt wird.

Es ist einfach eine wunderschöne Geschichte. Natürlich kann man das auch anders erklären, z.B. mit der Form von Penmarc’h auf der Landkarte, usw. – aber ehrlich gesagt, manchmal ist ein bißchen Mystik viel schöner bei der Deutung der Dinge… – findet ihr nicht auch?

 

Penmarc'h Finstere Bretagne Kirche

Turm von Saint-Nonna / Penmarc’h – Fotografie: Gudrun Itt

 

Doch zurück zur Realität:

 

Geschichtliches

Penmarc’h war schon in grauer Vorzeit bewohnt. Man sieht das an den vielen Menhiren und Hügelgräbern. Zu guter Letzt gibt es auch in Saint Guénolé das bedeutende Musée de la Préhistoire, das Museum für Vorgeschichte. Ein Besuch dort lohnt sich in jedem Fall. (Wenn es einmal offen hat – aber bitte nicht aufgeben. Ist es gerade geschlossen, dann macht einfach einen ausgedehnten Spaziergang an Pors Carn, danach wird es bestimmt klappen)

Der Name von Penmarc’h war früher Tréoultré. Tréoultré war im Besitz der Abtei von Loctudy.

Penmarc’h ist eine der ältesten Gemeinden in der Cournaille .Im 12. – 14. Jhd. kam die Gemeinde im Wesentlichen durch die Fischerei, sowie Trockungsanlagen, aber auch der Handel mit Tuch, Vieh und Getreide zu ihrem Wohlstand.

 

Kerity Hafen Bretagne

 

Kerity wurde zum Handelszentrum, in Saint Guénolé dominierte die Schifffahrt und die Bevölkerung stieg auf mehr als 10000 Bewohner, doch schon zwei Jahrhunderte später begann der Niedergang von Penmarc’h, der mit dem Angriff eines Piraten mit dem Namen Eder de la Fontenelle, seinen Höhepunkt hat.

Erst im 19. Jhd. gewinnt der Hafen von Saint Guénolé wieder an Bedeutung – hauptsächlich durch Konservenfabriken für Sardinen und Makrelen.

Noch heute leben viele Einwohner in Penmarc’h vom Fischfang.

Hinzu kommt eine wachsende Zahl an Touristen.

Dennoch hat Penmarc’h nichts von seiner Ursprünglichkeit verloren. Große Hotelketten am Strand werdet ihr dort nicht finden und ich wünsche mir sehr, dass das so bleibt.

 

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Blick auf Pors Carn und Pointe de La Torche – Fotografie: Gudrun Itt

 

Ausflugsziele

In Penmarc’h gibt es jede Menge zu entdecken.

Ich zähle hier mal ein paar Ausflugsziele auf – aber nur stichpunktartig, da jedes eigentlich seine eigene Geschichte hat und wert ist – und ich bestimmt demnächst auch darüber mehr und genaueres schreiben werde.

 

Ich glaube der Klassiker ist zweifellos der Le Phare d’Eckmühl und Le Vieux Phare de Penmarc’h. Er ist das Wahrzeichen von Penmarc’h in Saint Pierre und seine Geschichte ist tatsächlich einen ganzen langen Blogartikel wert – also wird an dieser Stelle nicht mehr verraten…

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Le Phare d’Eckmühl

Erwähnt hatte ich schon das Musée de la Préhistoire, das Museum für Vorgeschichte in Saint Guénolé mit seinen eindrucksvollen Informationen über die Vorgeschichte des Bigoudenlandes. Man findet es an Pors Carn.

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Sonnenaufgang an Pors Carn – Fotografie: Gudrun Itt

Und ist man schon mal dort, dann lohnt es sich in jedem Fall, am Strand entlang zu spazieren – vielleicht bis zum Pointe de la Torche. Egal, ob bei Ebbe über den Sand oder bei Flut durch die Dünenlandschaft – danach ist der Kopf vom Wind freigeblasen und alle Sorgen vergessen. Pors Carn ist einfach ein magischer Ort. Am Deutlichsten merkt man das, wenn man früh am Morgen aufsteht ( Nicht Vergessen: In der Bretagne wird es eine Stunde später hell! ) und in den Sonnenaufgang hineinläuft.

Wetter Bretagne I Fotografie: Gudrun Itt

Pors Carn mit Blick auf Pointe de la Torche

Nicht zu vergessen sei der imposante Tour Carrée ebenso in Saint Guénolé – auch er hat eine bemerkenswerte Geschichte.

Eine der wenigen direkt an der Küste gebauten Kapellen ist die Chapelle Notre Dame de la Joie – Notre Dame de la Joie au Péril de la Mer in Saint-Guénolé, die im 15. Jhd. gebaut ist seit dieser Zeit dem Wind und dem Meer trotzt.

La Chapelle Notre-Dame de la Joie à PenmarchI Fotografie: Gudrun Itt ©

La Chapelle Notre-Dame de la Joie à PenmarchI Fotografie: Gudrun Itt ©

Ein wunderbares Beispiel gotischer Baukunst ist die mittlerweile restaurierte Kirche Saint-Nonna im Herzen von Penmarc’h.

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Idylle in Kerity – Fotografie: Gudrun Itt

Ein Besuch in dem bezaubernden Örtchen Kerity lohnt sich in jedem Fall. Nehmt euch Zeit und durchforscht die wunderschönen kleinen Gässchen.

Schiffe im Hafen von Saint Guénolé I Fotografie Gudrun Itt ©

Schiffe im Hafen von Saint Guénolé I Fotografie Gudrun Itt ©

Natürlich müsst ihr auch an den Hafen von Saint Guénolé – am besten nachmittags gegen 17:00 Uhr, wenn zahlreiche Schiffe einlaufen.

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Hafeneinfahrt – Saint Guénolé

Dann gibt es noch im Frühling, wenn es in Deutschland noch grau und trist ist, die unendlichen Hyazinthen- und Tulpenfelder. Blüten, in allen Farbe, so weit das Auge reicht. Welch ein Genuss für die das Auge!

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Hyazinthenfelder an Pors Carn

Und nicht vergessen: Les Rochers de Saint Guénolé – die berühmten Felsen von Saint Guénolé.

Diese vom Rhythmus des Meeres geprägte Landschaft kennt ihr ja schon aus vielen meiner Artikel.

Sie sind bei jedem Wetter und jeder Tageszeit ein Besuch wert – und haben immer wieder ein anderes Gesicht.  Aber seit vorsichtig und habt das Meer immer im Blick, denn es ist unberechenbar.

Saint Guenole im Finstère I Fotografie Gudrun Itt

Les Rôchers de Saint Guénolé – Fotografie Gudrun Itt

 

Penmarc’h ist mehr als bloß einen Tagesausflug wert, denn dieses Stückchen Erde ist so facettenreich, dass es niemals langweilig wird. Etwas Geschichte für die Geschichtsbeflissenen, Wanderwege für diejenigen, die sich gerne alles erlaufen, ein Strand, für Freunde des Badeurlaubs, Wellen für Surfer und, und, und…

Wer auf das Auto verzichten will, so wie ich es in der Regel mache, kommt von Quimper aus bequem mit dem Bus nach Penmarc’h. Man ist zwar eine Weile unterwegs, wird aber von einem tollen Ausblick auf der Küstenstraße belohnt.

Einkaufen ist auch kein Problem. Es gibt zwei Supermärkte, Bäcker, Apotheke und Wochenmärkte. Und außerdem gibt es noch den Hafen, an dem man fangfrischen Fisch kaufen kann.

Penmarc’h ist so authentisch, wie es authentischer nicht sein könnte. Man ist nicht nur in der Bretagne, nein – man ist angekommen.

Und vor allem: Man kommt endlich einmal zu Ruhe, wenn man sich auf einlässt. Wenn man sich die Zeit nimmt und die Umgebung auf sich wirken läßt. Wenn man versucht, sich ein wenig auf den Rhythmus des Meeres einzulassen, ebenso wie auf die Ursprünglichkeit der Landschaft und der Menschen.

 

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Atlantikküste vor Saint Guénolé – Fotografie: Gudrun Itt

 

Ich verspreche euch, ihr werdet verzaubert nach Hause zurückkehren und mehr noch, ihr werdet gleich nach eurer Rückkehr den nächsten Urlaub dorthin planen. …

In diesem Sinne: Bis bald, hier oder in der Bretagne …

 

À bientôt

Gudrun

 

P.S.: Ich werde die Liste in der nächsten Zeit noch um das Eine oder Andere ergänzen – schaut einfach mal wieder vorbei!

Ach, und wenn ihr in Penmarc’h ein Ferienhaus sucht, dann werdet ihr bei ferienhaus29.com fündig.

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