Sturm Bretagne

Gestern habe ich einen Anruf aus der Bretagne von einer lieben Freundin bekommen. Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch wenn man bedenkt, dass viele Teile der Bretagne seit Tagen sturmumtobt und ohne Strom sind, dann wird dieser Telefonanruf zu etwas ganz Besonderem.

 

Hier, in der frühlingshaft anmutenden Pfalz plane ich im Moment meinen nächsten vierwöchigen Aufenthalt in der Bretagne im Frühjahr und alles, was dort geschieht, erscheint unwahrscheinlich weit entfernt – und dann doch so nah…

 

Bretagne Sturm I Fotografie: Gudrun Itt

Blick auf Saint Guénolé – Sturm Bretagne 2014

Bretagne Sturm I Fotografie: Gudrun Itt

Les Rochers de Saint Guénolé – Sturm Bretagne

 

Dort unten tobt wahrlich ein Sturm, der für uns unvorstellbar ist. Durch ein von einer Welle ins Meer gezogene Spaziergängerin in Biarritz, die trotz Warnungen meinte, am Meer herumspazieren zu müssen, ist dieser Sturm in der Bretagne, der an der Atlantikküste seit fast zwei Wochen tobt, jetzt sogar bis in die deutschen Medien vorgedrungen.

Ich habe mir dann ein paar zusätzliche Informationen aus dem Internet herausgesucht und kam dann zu dem Begriff „Stormwatching“ – das muss man sich echt auf der Zunge zergehen lassen. Stormwatching gilt mittlerweile als beliebtes Freizeitvergnügen, bei dem Fans von Stürmen auf ihre Kosten kommen – oder eben wie diese Spaziergängerin eher doch nicht.

 

Während die Fischer in den Häfen um ihre Boote und ihre Existenz bangen, stehen scharenweise große Menschentrauben an den gefährlichsten Stellen an der Küste, um das Treiben des Meeres zu beobachten und sich auch noch in Gefahr zu bringen. Sie bedenken dabei auch nicht, dass sie nicht nur sich, sondern im Unglücksfall auch diejenigen in Gefahr bringen, die sie zu retten versuchen werden.

Ich habe mich einmal mit einer Urlauberin unterhalten, die es unwahrscheinlich spannend fand, wenn die Straßen überflutet wurden und am besten noch Steine durch die Luft flogen – nein, dass ist wirklich wahr, das habe ich nicht erfunden – und auf meine Rückfrage, ob sie sich Gedanken über die Zerstörung mache, kam eine klare Aussage von ihr: „Das muss mich doch nicht interessieren, ich lebe doch nicht hier…“ – mal ganz ehrlich, ist so etwas zu fassen?

 

Bretagne Sturm - Finistere Sturm I Fotografie: Gudrun Itt

Wellen an La Torche – Sturm Bretagne

 

Meine Freundin hat mir berichtet, dass ich das Saint Guénolé, so wie ich es seit vielen Jahren kenne, vielleicht nicht mehr wiedererkennen werde. Ihr Mann verbringt die letzten Nächte regelmäßig mit vielen anderen Fischern am Hafen, um die Boote zu sichern. Die Frauen selbst sind zuhause in einem Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffen und Bangen.

 

Finistere Sturm I Fotografie: Gudrun Itt

Schild in Saint Guénolé

 

Stormwatching also, ein winterliches Touristenvergnügen, zu dem es auch Anleitungen und Kartenmaterial mit Hinweis auf die besten Plätze gibt. Orkane können gar nicht wütend genug toben, Wellenberge nicht hoch genug sein. Die Schaulustigen sitzen hinter sicheren Panoramafenstern oder an gesicherten Aussichtspunkten.

Wenn die Lust an der Katastrophe gestillt ist, geht es zurück nach Hause – man hat ja einiges erlebt und zu berichten.

 

Saint Guenole I Fotografie: Gudrun Itt

Saint Guenole – Sturm Bretagne I Fotografie: Gudrun Itt

 

8-9 Meter hohe Wellen bei Ebbe, die mit steigender Flut eine Höhe von über 12 Meter erreichen, das ist nicht einfach bloß ein Naturschauspiel, das ist eine Katastrophe!

Eine Katastrophe, die es sogar in die Medien in Deutschland geschafft hat – nicht wegen dem Ausmaß der Schäden und der Angst, der Menschen, die dort leben, nein, allein aufgrund der Unvernunft einer Touristin.

Natürlich bietet das Meer momentan ein für uns Menschen faszinierenden Anblick, das Heranrollen der Wellen, das Getöse, die Kraft und Unausweichlichkeit – dennoch ist dies bei aller Faszination wahrlich ein zweischneidiges Schwert, denn man muss sich immer der Gefahr und Zerstörung bewusst sein, die es mit sich bringt.

Ich habe nach einer Aufnahme gesucht, die das Herannahen eines Sturmes zeigt und die meinen Gefühlen im Moment am nächsten ist – und sie gefunden:

 

Rochers de Saint Guénolé - Sturm Bretagne I Fotografie: Gudrun Itt

Rochers de Saint Guénolé – Sturm Bretagne I Fotografie: Gudrun Itt

 

Ein Gedicht von Baudelaire fällt mir dazu ein und ich finde es passt sehr gut:

Der Mensch und das Meer

Du freier Mensch, du liebst das Meer voll Kraft,
Dein Spiegel ist’s. In seiner Wellen Mauer,
Die hoch sich türmt, wogt deiner Seele Schauer,
In dir und ihm der gleiche Abgrund klafft.

Du liebst es, zu versinken in dein Bild,
Mit Aug‘ und Armen willst du es umfassen,
Der eignen Seele Sturm verrinnen lassen
In seinem Klageschrei, unzähmbar wild.

Ihr beide seid von heimlich finstrer Art.
Wer taucht, o Mensch, in deine letzten Tiefen,
Wer kennt die Perlen, die verborgen schliefen,
Die Schätze, die das neidische Meer bewahrt?

Und doch bekämpft ihr euch ohn‘ Unterlass
Jahrtausende in mitleidlosem Streiten,
Denn ihr liebt Blut und Tod und Grausamkeiten,
O wilde Ringer, ewiger Bruderhass!

Charles Baudelaire

 

Warum ich das alles heute geschrieben habe? Eigentlich hatte ich einen ganz anderen Blogartikel über Pointe de Penhir geplant, aber ich denke in den letzten Tagen viel an meine Freunde an der Küste in der Bretagne und ihre Familien.

Ich wünsche ihnen, eine schnelle Wetterberuhigung!

Hier ein Foto, aus ruhigeren Tagen – ein Foto, von den Dünen an Pors Carn mit Blick auf Pointe de La Torche – ein Foto, bei dem man nicht annähernd vermuten würde, welche Kraft das Meer an manchen Tagen hat, ein Bild, von einer wunderschönen Dünenlandschaft, mit einem Meer, von dem es sprichwörtlich den Anschein hat, als „könnte es kein Wässerchen trüben“…

 

Bretagne Sturm I Fotografie: Gudrun Itt

Pors Carn mit Blick auf Pointe de la Torche vor dem Sturm Bretagne

À bientôt

Gudrun

Nachtrag:

2017 – Bretagne Sturm Zeus

– der Name ist hier Programm – zieht mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h über die Bretagne und wirbelt Westfrankreich durcheinander

STURMWARNUNG – Stufe Rot – das gilt schon seit Tagen für die Bretagne, wenn man den Wetterbericht verfolgt.

Ich habe da immer ein wenig Bauchweh und mich beschleicht eine innere Unruhe, denn ich muss dabei an  Februar 2014 denken. Es war Tempête / Sturm Petra – diesmal ist es Sturm Zeus, der sein Unwesen treibt.

Damals war ich wenige Tage nach Ende des Sturmes nach Saint Guénolé gereist. Von Deutschland aus blieb mir nur das Internet, um Informationen zu bekommen. Das Ausmaß der Verwüstung bei meiner Ankunft im März 2014 war erschreckend.

Ich war vollkommen gelähmt und es entstanden in den ersten Tagen nur sehr wenige Aufnahmen. Wie sagt man also schön: Der Mensch sei ein Gewohnheitstier – nun, dann bin ich das ganz besonders.

Für mich gab es damals ein Vorher, sprich ein vor dem Bretagne Sturm und ein nachher. Ich habe mir irgendwann einmal die Zeit genommen und Aufnahmen verglichen, die vor 2014 entstanden waren mit jenen danach. Es war ein sehr interessantes Unterfangen, denn vieles hatte sich tatsächlich deutlich verändert.

Wie es wohl diesmal sein wird…

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Über mich

Leidenschaftliche Fotografin aus Deutschland mit einer großen Liebe zur Bretagne und ihrer wunderbaren Landschaft, was dazu führt, dass sie mehrmals im Jahr untertaucht und an das Ende der Welt, sprich Finistère reist.

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Hochzeitsfotografie I Werbefotografie: Gudrun Itt ©

Hochzeitsfotografie am Meer

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Gudrun Itt - Fotografin in der Bretagne
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„On ne naît pas Breton. On le devient, à l’écoute du vent, du chant des branches, du chant des hommes et de la mer.“ Xavier GRALL

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